Studienfahrten Europaseminar Gießen

Europäische Studienfahrten des Europaseminars Gießen – Bildung über Grenzen hinweg erleben

Im Frühjahr 2026 nahmen LiV und Ausbildungskräfte des Studienseminars für berufliche Schulen Gießen an mehreren europäischen Studienfahrten teil. Die Exkursionen nach Österreich, Kroatien, Frankreich und Großbritannien ermöglichten vielfältige Einblicke in unterschiedliche Bildungssysteme, innovative Lernkonzepte sowie europäische Bildungs- und Erinnerungskultur. Im Mittelpunkt standen der fachliche Austausch, die Reflexion schulischer Praxis sowie die Weiterentwicklung der eigenen Unterrichtsgestaltung.

Österreich: Bildung, Mehrsprachigkeit und europäische Werte

Die Studienfahrt nach Klagenfurt führte die Teilnehmenden zunächst an die Pädagogische Hochschule Kärnten. Dort standen Informationen zum österreichischen Schulsystem, zur Lehrkräftebildung sowie zu Quereinstiegsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Im Lakeside Park wurden innovative Lernkonzepte und digitale Bildungsangebote vorgestellt.

Weitere Stationen waren das Bildungszentrum Ehrental und das Europahaus Klagenfurt. Besonders eindrucksvoll war die Arbeit des Europahauses als Teil des Europe-Direct-Netzwerks zur Förderung demokratischer und europäischer Werte. Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf dem Besuch der zweisprachigen Bundeshandelsakademie HAK-TAK, in der Mehrsprachigkeit und europäische Zusammenarbeit aktiv gelebt werden.

Kroatien: Tradition trifft Innovation

Unter dem Motto „Tradition trifft Innovation“ führte die Studienfahrt nach Split. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in ein Bildungssystem, das verstärkt auf Kompetenzorientierung und praxisnahes Lernen setzt. An der Universität Split wurde insbesondere das ganzheitliche didaktische Konzept „Herz, Hand und Kopf“ vorgestellt.

Weitere Lernorte waren die Schiffswerft Brodosplit, die Nachwuchsakademie von Hajduk Split sowie die Tourismus- und Gastgewerbeschule Split. Besonders die enge Verbindung von Theorie und Praxis sowie das Lernen in realen Arbeitskontexten hinterließen nachhaltige Eindrücke und lieferten Impulse für die eigene Unterrichtsgestaltung.

Frankreich: Lernen in der Grenzregion

Die Studienfahrt nach Frankreich stand unter dem Thema „Zwischen Geschichte und Gegenwart – Lernen in der Grenzregion“. Historische Lernorte wie die Festung Schoenenbourg, das Fort de Mutzig und das Mémorial Alsace-Moselle ermöglichten eine intensive Auseinandersetzung mit deutsch-französischer Geschichte und europäischer Erinnerungskultur.

Darüber hinaus erhielten die Teilnehmenden am Lycée des Métiers André Siegfried in Haguenau Einblicke in das französische Berufsbildungssystem. Der Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg verdeutlichte zudem die Bedeutung europäischer Zusammenarbeit und politischer Bildung. Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie außerschulische Lernorte historische und gesellschaftliche Themen greifbar machen können.

Großbritannien: Differenzierung und selbstorganisiertes Lernen

Die Studienfahrt nach Liverpool stand unter dem Schwerpunkt „Förderung von Lernenden durch Differenzierung und selbstorganisiertes Lernen“. Besucht wurden die Edge Hill University, die Kings Leadership Academy Liverpool, das Wirral Metropolitan College sowie die Our Lady Immaculate Catholic Primary School.

Im Mittelpunkt standen Fragen zur Organisation der Lehrkräftebildung in Großbritannien, zur Verbindung von Theorie und Praxis sowie zu Konzepten individueller Förderung. Besonders auffällig war die klare Strukturierung von Lernprozessen sowie die gezielte Unterstützung selbstorganisierten Lernens in unterschiedlichen Schulformen.

Europäischer Austausch als Impuls für Unterrichtsentwicklung

Die Studienfahrten machten deutlich, wie wertvoll europäischer Austausch für die berufliche Bildung und die Lehrkräftebildung ist. Die Teilnehmenden reflektierten ihre Eindrücke intensiv und entwickelten zahlreiche Ideen für die eigene Unterrichtspraxis. Im Fokus standen dabei insbesondere praxisnahes Lernen, die Einbindung außerschulischer Lernorte, individuelle Förderung sowie die stärkere Integration europäischer Perspektiven in den Unterricht.

Die Fahrten leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur europäischen Bildungsarbeit und zur Weiterentwicklung innovativer Unterrichtskonzepte im beruflichen Schulwesen.

Ausbildungskräfte und alle LiV bedanken sich sehr herzlich bei der Gesellschaft für europäische Bildungsprojekte e.V. für die großzügige Unterstützung der Europafahrten. Diese finanzielle Unterstützung hat den LiV sehr geholfen, die Studienfahrten ins europäische Ausland zu finanzieren. Viele Dank.

Barbara Rustige, Europakoordinatorin des Europaseminars für berufliche Schulen Gießen